Off-Topic - Der philosophische Stammtisch

Jeden dritten Donnerstag im Monat, beginnend um 18 Uhr, lade ich zu einem gemeinsamen Gespräch im Cafe Trauma ein. Im folgendem erfahrt ihr mehr zum Ablauf, Konzept und zur Idee. Vorausgeschickt soll aber sein:

Auch wenn das philosophische Gespräch grundsätzlich von besonderer Offenheit geprägt ist, ist es nicht beliebig. Es ist daher trotz der besonderen Art des Gesprächs keine Haltungen erwünscht, die Diskriminierung, Rassismus, Schwurbelei oder anderer Formen von nicht ethisch vertretbaren Wortbeiträgen beinhaltet.

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Erste Worte zur Idee

Sehr schön, dass du dich für meinen Philosophischen Stammtisch interessierst und deinen Weg hierher gefunden hast. Im folgenden kannst erfahren, worum es mir beim Philosophischen Stammtisch geht, entscheiden, ob es dich anspricht und ob es etwas für dich ist oder nicht.

Was ist die Grundidee des Philosophischen Stammtisches?

Keine Angst vor Philosophie

Mir wird relativ häufig sinngemäß mitgeteilt: „Ich habe deine Ankündigung gesehen und es interessiert mich sehr, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich viel beizutragen habe, weil ich mich mit Philosophie gar nicht auskenne“.

Philosophie braucht keine Vorkenntnisse

Daher möchte ich dir zuallererst Mut machen. Denn es ist überhaupt keine Voraussetzung, dass du dich mit Philosophie, Philosophien oder Philosophen auskennst. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle zum Philosophieren fähig sind, ja, es im Alltag immer wieder unwissentlich praktizieren. Im Gegenteil: Für das, was auf dem Philosophischen Stammtisch passieren soll, kann es sogar hinderlich sein, eine allzu feste Vorstellung davon zu haben, was Philosophie ist oder nicht ist.

Abgrenzung zum Philosophiestudium

Das Philosophieren auf dem Philosophischen Stammtisch ist von meinem Konzept her wohlunterschieden vom Philosophie-Studium. Im Studium an der Universität wird im wesentlichen anhand der Philosophiegeschichte gelehrt und erlernt einen wachen, lebendigen Geist im akademischen Sinne auszubilden. Die Idee dahinter scheint mir zu sein, dass in der Auseinandersetzung mit den tiefgehenden Gedanken von Philosophen und Philosophien zum Einen ein tiefes Verständnis für die verschiedenen Formen des Nachdenkens über „die großen Fragen“ zu gewinnen und zum Anderen die viel beschriebenen „Softskills“ zu entwickeln, die einen studierten Philosophen auszeichnen. Dazu zählen meiner Erfahrung nach:

  • die Fähigkeit eine Fragestellung auf einer abstrakteren Ebene zu überführen und dort eine Lösung zu (ver-)suchen

  • undogmatisch und offen mit dem Gegebenen umzugehen und wohlbegründete Alternativen zu kreieren

  • die eigenen Argumentationsfähigkeiten zu schärfen. Allerdings in besonderer Form: In einer lebendigen, zwar auf abstrakter Ebene angesiedelt, aber dennoch auf die konkrete Situation bezogenen Weise

  • die Fähigkeit gute Begründungen von schlechten Begründungen zu unterscheiden und eigene, gute Begründungen zu liefern

  • Ein fundiertes Wissen über die Philosophiegeschichte zu entwickeln

Worum es mir wirklich geht

Auch wenn diese „Softskills“ für den philosophischen Stammtisch nützlich sein können, geht es mir nicht darum, diese vorauszusetzen oder zu befördern (was aber durchaus ein Seiteneffekt sein kann). Mir geht es um das Lebensweltliche. Das bedeutet, wir sprechen Anhand eines Themas über unsere Wahrnehmungen, Überzeugungen, sowie Vorstellungen und die ihnen zugrundeliegenden Werte. Im Dialog miteinander geraten wir dadurch ins Philosophieren – einem Dialog auf Augenhöhe über die philosophischen Fragen, die wir uns stellen. Hierbei steht das zu-Wort-kommen gleichermaßen im Mittelpunkt wir das zu-hören.

Philosophie für alle

Der Philosophische Stammtisch orientiert sich an dem, was ich unter philosophischer Praxis verstehe. Dabei ist einer der beiden großen Bestandteil der philosophischen Praxis, Philosophie für selbsternannte Nicht-Philosophen, die zu großen Respekt davor zu haben, um sich zu Wort zu melden, zugänglich zu machen und somit lebensnah zu praktizieren.
Wenn du also befürchtest, dass du nichts beizutragen hast, weil du dich nicht auskennst, dann ist dieses Angebot genau an dich gerichtet! Gerade du kannst dich in ganz besonderer Weise an dem Gespräch beteiligen. Indem du deine Fragen stellst. Indem du die Positionen der Anderen hinter-fragst. Indem du die Philosophie und die Anderen mit deinen Lebensfragen be-fragst. Du bist also eingeladen – um nicht zu sagen: ge-fragt – zu Gast zu sein. So kann das von dir Er-fragte im Dialog mit Anderen von dir persönlich zu möglichen Antworten überführt werden.
Freilich kann ich nicht versprechen, dass nur gleichgesinnte Personen beim Philosophischen Stammtisch zugegen sind. Aber ich sehe es als meine Aufgabe, darauf zu achten, dass das philosophische Gespräch in meinem Sinne geführt wird, du eine Stimme erhältst und deinen Eindruck zum Ausdruck bringen kannst, wie ein geschätzter Kollege häufiger so trefflich sagt.

Worum geht es nicht auf dem Philosophischen Stammtisch?

Keine klassische Diskussion

Mir fällt es deutlich leichter zu beschreiben, worum es auf dem Philosophischen Stammtisch nicht gehen soll – auch wenn es keine erschöpfende Liste ist, hier einige Gedanken, darüber, worum es nicht geht:

  1. Es geht nicht um bloßen Meinungsaustausch über ein Thema

  2. Es geht nicht um Verhandlungen über eine objektive Wahrheit

  3. Es geht nicht darum, die anderen Teilnehmenden von der eigenen Haltung, Meinung oder Überzeugung zu überzeugen

  4. Es geht nicht primär im Sinne einer Selbsthilfegruppe bloße Lebensgeschichten zu entäußern

  5. Es geht nicht um Monologisierung und Selbstdarstellung

  6. Es geht nicht darum das eigene Wissen um die Philosophiegeschichte oder das Wissen über Philosophien und Philosophien zu extrovertieren

  7. Es geht nicht darum, mit der gleichen Meinung nach Hause zu gehen, mit der man gekommen ist, sondern darum bereichert von den Anderen

  8. Es ist keine Diskussion, in der Argumente gegeneinander erhoben werden, um eine monolithische Wahrheit zu ermitteln

  9. Es ist kein Gegeneinander, sondern ein Gemeinsam

  10. Es ist nicht Lernen von Philosophen, Philosophien, sondern es ist Philosophieren – also eine eigene Tätigkeit

Worum geht es auf dem Philosophischen Stammtisch?

Alles kann philosophisch sein

Thematisch kann im Grunde alles zu einem philosophischen Gespräch gemacht werden. Das Philosophische ist dem eigenen Wesen nach unbeschränkt. Es ist das Generelle am Konkreten. Daher zähle ich nicht auf, was alles zum Thema gemacht werden könnte. Um dir einen Eindruck zu verschaffen, kannst du gern die vergangenen und gegenwärtigen Ankündigungen konsultieren. Vielmehr möchte ich hier die Art und Weise des Philosophierens zur Darstellung bringen, die dich auf dem Philosophischen Stammtisch erwartet.

Ein philosophischer Dialog

Primär geht es darum, ein gutes, inspirierendes Gespräch über die Lebensfragen zu führen, die uns alle mehr oder minder umtreiben.

Orientierung an Sokrates

Das Philosophische daran ist zum Einen, dass es ein Dialog ist. Dies geschieht in Anlehnung an der Art und Weise, wie dialogisch agierende Philosophen es praktiziert haben. Prominentester Philosoph ist dabei freilich Sokrates. Es steht das „Nicht-Wissen“ oder auch das „Nicht-Bescheid-Wissen“ im Vordergrund. Es ist ein Fragen. Es ist ein Erstaunen. Es ist ein Neugierig sein. Es ist ein Interessiert sein. Ein Interessiert sein an dem Anderen. Der Andere als Gesprächspartner, das Andere in einem Selbst, das Andere der Lebensrealität und Lebenswelt des Anderen. Es geht um das Hören und Gehört-Werden. Es geht darum, sich zu verständigen, sich zu begegnen, auf Augenhöhe miteinander zu sprechen.

Existenzielle Bezugspunkte

Zum Anderen ist das Philosophische daran, dass es immer wieder auf das Lebensweltliche bezogen wird. Die Sache sind wir in unserer Individualität. Der Fokus liegt auf den existenziellen Bezug aller Fragen. Es geht nicht, um die Wahrheit, die Gerechtigkeit, das Sein, den Tod, das Sterben, die Lebenskrise abstrakt, sondern es geht um das Wahre in uns, das Gerechte, was uns widerfährt oder auch nicht, unser Sein, unserem Tod und den unserer Lieben, unsere Sterblichkeit und unsere Lebenskrisen. Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass die Gespräche den Schwerpunkt auf unser Leben hat.

Philosophen als Impulsgeber

Das bedeutet freilich aber auch nicht, dass nicht Philosoph*innen, Philosophien und andere Autoren zur Sprache kommen. Sie kommen vor und fließen in unsere Gespräche ein. Allerdings nicht als Weisheiten von Außen, sondern als Reflexionsgrundlage für unser Leben und Gespräch. Es gilt zum Beispiel nicht: Was sagt Platon zur Gerechtigkeit?“, sondern, „was sagt es mir bzw. uns über unseren Begriff der Gerechtigkeit, wenn wir uns den Worten Platons zuwenden?“.

Ziel: Ein gutes, gelingendes Leben

Eines der obersten Ziele in der philosophischen Praxis ist zum guten, gelingenden Leben beizutragen. Der Philosophische Stammtisch soll dazu beitragen, dass du ein gutes, gelingendes Leben zu führen vermagst, die Lebenskunst mit deinem je-eigenen Inhalt, deinem so-sein füllst. Es ist Raum, keine Lehre.

Wie läuft der Philosophische Stammtisch ab?

Struktur und Phasen

Der philosophische Stammtisch wird von mir immer zwei Stunden lang aktiv moderiert. Nach ein paar einleitenden Worten, die sich nur wenig von dem hier zu Lesenden unterscheidet, mache ich gewöhnlich eine Einstiegsrunde, die nicht immer mit dem Thema zu tun hat, sondern demonstrieren soll, welche Art von Gespräch wir zu führen gedenken. Es ist meistens eine offene Frage, die mehr oder minder persönlich beantwortet werden kann aber auch nicht muss.
Wenn es kein offener Stammtisch ist, in dem das Thema aus den Teilnehmerkreis kommt, gebe ich in dieser Zeit Impulse, stelle das Thema vor und gebe Material zum Einstieg. Dann liegt es in der Hand der Teilnehmenden durch Wortbeiträge, gemeinsames Nachdenken den Abend zu gestalten. Nach circa einer Stunde gibt es eine kurze Pause. Wenn die zweite Stunde vorbei ist, lege ich meine Moderationsrolle ab und bin selbst nur Teilnehmer. Dann wache ich nur noch darüber, dass es ein gesittetes Gespräch im Sinne des philosophischen Stammtisches ist. Die Veranstaltung ist dann „open end“.

Was ist meine Rolle auf dem Philosophischen Stammtisch?

Hüter des Raums

Ich selbst verstehe mich als Wächter der guten Gesprächsführung und als Impulsgeber für ein gelungenes Gespräch. Das bedeutet unter Anderem:

  • Ich achte darauf, dass nicht zu weit vom Thema abgekommen wird, aber dennoch viel Spielraum für „passende“ Abweichungen vorhanden sind

  • Ich achte darauf, dass sich niemand übergangen fühlt, oder persönlich verletzt wird

  • Ich achte darauf, dass Monologe unterbunden werden zugunsten von dialogischen Gedankenaustausch

  • Ich achte darauf, dass nicht zu abstrakt von unserer Lebenswelt gesprochen wird

  • Ich bringe Fäden zusammen, bündele Gesagtes, um bei der Sache zu bleiben oder zu ihr zurückzukehren

  • Ich fasse Teile, des Besprochenen zusammen, um Orientierung zu geben, wo wir stehen